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Die Forschung des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie beschäftigt sich mit kognitiven Prozessen und deren Erfassung vor allem im Gedächtnis und bei Multi-Attribut-Entscheidungen.

Gedächtnis: Wiedererkennung (Rekognition) und Quellenerinnerung

Jeder hat schon die Erfahrung gemacht, dass es meist leichter ist, einen Erinnerungsinhalt wiederzuerkennen als ihn aktiv wiederzugeben. Zum Beispiel liegt uns manchmal buchstäblich etwas auf der Zunge - wir wissen, dass wir es wissen -, es ist aber gerade nicht abrufbar. Nennt dann jemand den Begriff, erkennen wir ihn sofort als den Gesuchten wieder. Wiedererkennenstests werden in der Gedächtnispsychologie seit langer Zeit als Prüfverfahren für die Gedächtnisgüte eingesetzt, um Prozesse der Speicherung und des Abrufs zu erforschen. Obwohl das Wiedererkennen scheinbar mühelos abzulaufen scheint, stehen vielfältige kognitive Prozesse dahinter, zu deren Erforschung unsere Studien beitragen sollen. Insbesondere widmen wir uns derzeit der Frage, welche Klasse mathematisch spezifizierbarer Modelle die Rekognitionsleistung am besten beschreibt. 

Manchmal erkennen wir eindeutig etwas in der Umwelt als bekannt wieder - oft eine Person, die uns sehr vertraut vorkommt -, aber wir wissen nicht, woher wir diese Person kennen. Das heißt, uns fehlt das Erinnern des Kontextes, in den wir die Person einordnen müssen. Die Fähigkeit, sich an den (raum-zeitlichen) Kontext von Informationen zu erinnern, wird auch als Quellengedächtnis bezeichnet. Diese Fähigkeit ist für unser tägliches und soziales Leben zentral (z.B. zu wissen, wer uns etwas erzählt hat), und sie lässt sich zumindest teilweise von der Fähigkeit separieren, sich an Inhalte zu erinnern (z.B. erinnern wir den Witz, den uns jemand erzählt hat - aber wer war das noch?). Quellengedächtnis beinhaltet dabei nicht nur den Abruf von Information, sondern auch die Rekonstruktion des Kontextes durch vielerlei Urteils- und Schlussfolgerungsprozesse (z.B. „Georg würde nie einen solchen Witz erzählen - das muss Tim gewesen sein!"). Die Quellenerinnerung stellt somit einen noch komplexeren Prozess dar als das reine Wiedererkennen. Auch hier widmen wir uns der Frage, welche Modellklasse diese Fähigkeit am besten erklären kann.

DFG-Projekte:

  • Episodisches Kontextgedächtnis: Prozesse des Erinnerns und Vergessens ("EpisKoP")
  • Source memory measurement and recognition ("SoMMer")

Weiterführende Literatur:

  • Bröder, A. & Meiser, T. (2007). Measuring source memory. Zeitschrift für Psychologie / Journal of Psychology, 215, 52-60.
  • Bröder, A. & Schütz, J. (2009). Recognition ROCs Are Curvilinear - or Are They? On Premature Arguments against the Two-High-Threshold Model of Recognition. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory & Cognition, 35, 587-606.
  • Schütz, J. & Bröder, A. (in press). Signal detection and threshold models of source memory. Experimental Psychology.

 

 

Multi-Attribut-Entscheidungen: Strategien und Modelle

In Multi-Attribut-Entscheidungen müssen Abwägungen zwischen verschiedenen Informationen getroffen werden, wenn diese sich entgegenstehen. Ein typisches Beispiel ist der Konflikt zwischen der Qualität und dem Preis eines Produkts. Häufig sind noch weit mehr Variablen oder Attribute mit einer Entscheidung zu optimieren. Wir untersuchen, unter welchen Bedingungen Menschen zu welchen Arten von Entscheidungsstrategien greifen. Wichtige Variablen sind hier zum Beispiel die Belastung des Arbeitsgedächtnisses oder Entscheidungsroutinen (Böder & Schiffer, 2006a, 2006b). Ob wir Informationen aus dem Gedächtnis abrufen müssen oder sie uns während der Entscheidung vorliegen, beeinflusst ebenfalls die Wahl unserer Entscheidungsstrategie (Bröder & Schiffer, 2003).

DFG-Projekte:

  • Determinanten begrenzt rationaler Entscheidungsstrategien ("BR-DENK")
  • Decisions from memory: factors influencing simple strategies and exemplar-based reasoning

Weiterführende Literatur:

  • Bröder, A. & Newell, B.R. (2008). Challenging some common beliefs about cognitive costs: Empirical work within the adaptive toolbox metaphor. Judgment and Decision Making, 3, 195-204.


  • Bröder, A., Newell, B. R. & Platzer, C. (2010). Cue Integration vs. Exemplar-Based Reasoning in Multi-Attribute Decisions from Memory: A Matter of Cue Representation. Judgment & Decision Making, 5(5), 326-338.
  • Bröder, A. & Schiffer, S. (2003). "Take The Best" versus simultaneous feature matching: Probabilistic inferences from memory and effects of representation format. Journal of Experimental Psychology: General, 132 (2), 277-293.